Gewalt und Beeinträchtigung

⚠️ Inhaltswarnung: In diesem Text geht es um Gewalt, Missbrauch und sexuelle Gewalt.
Bitte lies den Text nur, wenn du dich damit wohlfühlst.

Vor schwarzem Hintergrund wird eine offene Hand als „Stopp“-Zeichen in die Kamera gehalten; die Person dahinter ist unscharf.
© Saif71.com / Unsplash

Verstehen, um besser zu handeln

Dieser Artikel ist in Leichter Sprache.

Er erklärt:

  • Was ist Gewalt?
  • Welche Arten von Gewalt gibt es?
  • Warum erleben Menschen mit Beeinträchtigungen Gewalt?

Etwas, das oft verborgen bleibt im All-Tag

Alle Menschen haben das Recht auf ein Liebes-Leben und ein Sexual-Leben.
Auch Menschen mit Beeinträchtigungen:

  • Haben die gleichen Bedürfnisse.
  • Haben die gleichen Wünsche.
  • Sollen die gleichen Rechte haben.
  • Sollen die gleichen Möglichkeiten bekommen.

Aber in der realen Welt ist das nicht immer so.
Viele Menschen erleben:

  • Gewalt,
  • Missbrauch,
  • Diskriminierung.
    Das heißt: Kein Respekt.

Diese Sachen sind oft versteckt.
Es ist schwer, darüber zu sprechen.
Gründe dafür sind:

  • Angst,
  • Scham,
  • Zu wenig Informationen.

Es ist wichtig, diese Situationen zu verstehen.
Nur so kann man besser helfen und etwas verändern.

Was ist Gewalt?

Gewalt ist eine Handlung.
Sie macht anderen Menschen Angst, Schmerzen
oder sie will eine Person kontrollieren.
Es gibt verschiedene Sorten von Gewalt.

Psychische Gewalt

Das sind Worte oder Verhalten, die jemanden verletzen.
Beispiele: Beleidigungen, Drohungen, …

Körperliche Gewalt

Das ist Gewalt mit dem Körper.
Beispiele: Schlagen, Schubsen, Verletzen …

Sexuelle Gewalt

Das ist eine sexuelle Handlung ohne Ein-Verständnis.
Wichtig: Die Person muss zustimmen.
Zu-Stimmung heißt:

  • Klar „Ja“ sagen.
  • Freiwillig zu-stimmen.

Eine Beziehung muss von beiden Personen freiwillig sein.

Diskriminierung

Diskriminierung heißt: Eine Person wird schlechter behandelt wegen etwas.
Zum Beispiel: Eine andere Haut-Farbe.
Oder wegen einer Beeinträchtigung.

Alle diese Sachen sind verboten.

Wichtige Zahlen

Menschen mit Beeinträchtigungen erleben oft Gewalt.
Zum Beispiel:

Mehr als 6 von 10
Menschen haben psychische Gewalt erlebt.

Jeder 2. Mensch
hat körperliche Gewalt erlebt.

Jeder 4. Mensch
hat sexuelle Belästigung erlebt.

Diese Zahlen kommen aus 2 Umfragen aus Deutschland.
Die Umfragen haben Gewalt und sexuelle Belästigung untersucht.

Schwarz-Weiß-Foto: Eine Person, die von der Seite zu sehen ist, schreit. Um sie herum ist ein rot-weißes Band mit der Aufschrift „FRAGILE“ gewickelt.
© Morgan Basham / Unsplash

Bei sexueller Belästigung macht jemand etwas mit dir,
was du nicht willst.
Etwas mit Sex.
Das macht Angst.
Oder ist unangenehm.
Gewalt kommt oft von Menschen, die man kennt:

  • Partner,
  • Menschen aus der Familie,
  • Andere bekannte Menschen.

Gewalt kann auch von fremden Menschen kommen.
Die Umfragen waren in Einrichtungen und Ateliers.
Eine Einrichtung ist ein Platz, wo Menschen mit Beeinträchtigungen wohnen oder arbeiten.
Das sind die Umfragen:

  • Gewalt und Gewalt-Schutz in Einrichtungen der Behinderten-Hilfe, BMBFSFJ.
  • Sexuelle Belästigung, Gewalt und Gewalt-Schutz in Ateliers für Menschen mit Behinderungen, BMBFSFJ.

BMBFSFJ ist die Abkürzung für ein Ministerium in Deutschland.
Dieses Ministerium kümmert sich um:

  • Bildung,
  • Familie,
  • Senioren,
  • Frauen,
  • Jugend.

Das Ministerium hat gesagt, jemand soll die Umfragen machen.

Warum erleben Menschen mit Beeinträchtigung oft Gewalt?

Es gibt verschiedene Gründe.

Allein sein

  • Manche Menschen sind oft allein.
  • Sie haben nur wenig Kontakt zu anderen Menschen.
  • Dann ist es schwerer, Hilfe zu bekommen.

Einsamkeit

  • Einsamkeit heißt: Man fühlt sich allein.
  • Einsamkeit kann das Selbst-Vertrauen schwächer machen.

Abhängigkeit

  • Abhängigkeit heißt: Man braucht jeden Tag Hilfe von einer anderen Person.
  • Zum Beispiel:
    • Bei der Pflege,
    • Beim Wohnen,
    • Bei Briefen und Papieren.

Was ist, wenn eine Person mehr Hilfe braucht?
Dann ist das Risiko für Gewalt vielleicht größer.

Schwarz-Weiß-Foto: Zwei offene Hände sind schützend nach vorne gestreckt.
© M-T Elgassier / Unsplash

In einer Einrichtung:

  • Der Tagesablauf ist oft genau geplant.
  • Es gibt viele Regeln.
  • Es gibt viele Mitarbeiter.
  • Viele Menschen sehen diese Mitarbeiter als Autorität.
  • Autorität heißt:
    • Menschen haben Verantwortung.
    • Sie sagen oft, was gemacht werden soll.
  • Menschen mit Beeinträchtigungen erkennen Autorität an.
    • Mitarbeiter können Regeln festlegen.
    • Manche Menschen nutzen das aus.
    • Sie wollen anderen Menschen schaden.

Dadurch können Menschen mit Beeinträchtigung leichter
Opfer von Gewalt werden.

Eine Hand hält eine hölzerne Gliederpuppe fest. Die Puppe liegt in der Hand wie ein lebloser Körper.
© Marco Bianchetti / Unsplash

Gewalt verstehen

Es gibt verschiedene Sorten von Gewalt.
Die häufigsten Sorten sind:

  • psychische Gewalt,
  • körperliche Gewalt,
  • sexuelle Gewalt.

Psychische Gewalt kommt besonders oft vor.
Oft gibt es mehrere Sorten von Gewalt gleich-zeitig.
Zum Beispiel:

  • Eine Person erlebt körperliche Gewalt.
  • Gleich-Zeitig erlebt sie auch psychische Gewalt.

Manche Menschen wissen nicht, dass sie Gewalt erleben.
Sie denken: So ist das normal.

Eine Frau hält sich mit beiden Händen den Kopf und blickt besorgt; das unscharfe, doppelte Bild vermittelt Verzweiflung, vor einem blassrosa Hintergrund.
© Uday Mittal / Unsplash

Das CNVV in Luxemburg

Das CNVV ist das Nationale Zentrum für Opfer von Gewalt.
Das CNVV hilft allen Menschen, die Gewalt erlebt haben.
Man kann kommen:

  • Ohne Termin (Rendez-Vous),
  • Gratis.

Die Fach-Leute (Experten):

  • Hören zu,
  • Erklären,
  • Helfen.

Hilfe an einem Platz

Das CNVV bietet:

  • psychologische Hilfe,
  • soziale Hilfe.
    Soziale Hilfe heißt: Hilfe im Alltag. Zum Beispiel:
    • Bei der Wohnung,
    • Bei Briefen und Dokumenten,
    • Bei Anträgen.

Das CNVV bietet auch:

  • Informationen über Rechte und Gesetze,
  • Hilfe bei einer Anzeige.

Eine Anzeige kann auch direkt im CNVV gemacht werden.

Ein sicherer Platz

Das CNVV ist ein sicherer Platz.
Man kann kommen:

  • Kurz nach der Gewalt,
  • Oder später.
Silhouetten in der Dämmerung: Ein Erwachsener hält einen Regenschirm über ein Kind, unter bewölktem Himmel.
© J W / Unsplash

infoMann – Hilfe für Männer

Die Worte „Herzlich Willkommen“ in weißer Schreibschrift auf Holzbrettern.
© Jonathan Kemper / Unsplash

infoMann ist eine Beratungs-Stelle für Männer.
infoMann bietet:

  • Psychologische Gespräche,
  • Einen geschützten Platz zum Reden,
  • Hilfe bei der Suche nach Lösungen.

Männer können aus verschiedenen Gründen kommen.
Zum Beispiel:

  • Angst,
  • Probleme in der Familie,
  • Depression,
  • Gedanken an Selbst-Tötung,
  • Sucht,
  • Trennung,
  • Belästigung.

infoMann hilft auch Männern, die Gewalt in der Familie oder in der Partner-Schaft erleben.
Das nennt man häusliche Gewalt.
Häusliche Gewalt kann sein:

  • Körperliche Gewalt,
  • Psychische Gewalt,
  • Sexuelle Gewalt.

infoMann bietet:

  • Psychologische Hilfe,
  • Soziale Hilfe,
  • Hilfe bei einer Anzeige,
  • Begleitung zur Polizei für eine Anzeige,
  • Einen Platz zum Wohnen.

Der Platz ist für eine kurze Zeit.
Für den Platz zählt:

  • Die Männer müssen mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Der Platz ist auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gut.

Alle Hilfen von infoMann sind gratis.
Die Beratungs-Stellen sind barriere-frei.

Warum ist es schwer, eine Situation mit Gewalt zu verlassen?

Es ist oft schwer, eine Situation mit Gewalt zu verlassen.
Gründe können sein:

  • Es gibt keine Wohnung.
  • Es gibt zu wenige Plätze in einer Schutz-Einrichtung.
  • Es gibt Geld-Sorgen.

Manche Menschen haben Angst zu sprechen.
Zum Beispiel:

  • Sie haben Angst, dass ihnen niemand glaubt.
  • Sie haben Angst vor der Meinung anderer Menschen.

Trotzdem gibt es Hilfe.
infoMann sagt:
Sicherheit ist der erste Schritt, damit es einem wieder besser gehen kann.

Eine Frau mit kurzen blonden Haaren nimmt eine Person tröstend in den Arm.
© Karola G / Pexels

Die Aufgabe von der Gesellschaft

Gewalt kann jeden Menschen treffen.
Niemand soll betroffene Menschen verurteilen.
Diese Sätze können verletzen:

  • Warum bist du geblieben?
  • Du hättest früher gehen müssen.

Besser ist:

  • Zuhören,
  • Helfen,
  • Hilfe zeigen.

Familie, Freunde und andere vertraute Menschen sind sehr wichtig.

Zusammen-Fassung

Nahaufnahme: Eine Hand hält unterstützend die Hand einer anderen Person.
© Markus Spiske / Unsplash

Gewalt gegen Menschen mit Beeinträchtigungen kommt noch immer oft vor.
Oft sieht niemand die Gewalt.
Wenn Menschen mehr über Gewalt wissen, können sie:

  • Gewalt verhindern,
  • betroffenen Menschen helfen.

Niemand soll mit Gewalt allein bleiben.
Darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen, sind wichtige Schritte.

Der erste Schritt ist schwer.
Aber dieser Schritt kann helfen,
damit es langsam besser wird.

Botschaft vom CNVV

Mut heißt nicht,
alles allein zu schaffen.
Mut heißt,
Hilfe zu holen,
wenn man Hilfe braucht.

Botschaft von infoMann

Hilfs-Angebote in Luxemburg

In Luxemburg gibt es viele Plätze,
die Opfern von Gewalt helfen können:

Im Notfall

Die Polizei: 113

Das CNVV (Nationales Zentrum für Opfer von Gewalt)
Helpline: 00352 20 60 10 60
Erreichbar 24 Stunden am Tag.

Hilfs-Organisationen für Opfer

SOS Détresse

Telefon: 00352 45 45 45
Email: info@sosdetresse.lu

Frauen- und Kinder-Häuser

Kanner an Jugendtelefon

Telefon: 00352 11 61 11

Femmes en Détresse VISAVI

Telefon: 00352 49 08 771
Email: visavi@fed.lu

Femmes en Détresse Oxygène

Telefon: 00352 49 41 49
Email: oxygene@fed.lu

Femmes en Détresse S-PSYea

Telefon: 00352 26 48 20 50
Email: psyea@fed.lu

Das Luxemburger Rote Kreuz (Croix-Rouge)

Dienst des Roten Kreuzes Riicht Eraus

Telefon: 00352 27 55 58 00
Email: riichteraus@croix-rouge.lu

In einem Wald zieht eine Person eine andere an der Hand; nur die Arme sind zu sehen.
© Annie Spratt / Unsplash

CNVV: Öffnungs-Zeiten und Kontakt

Das Zentrum ist jeden Tag offen.
7 Tage die Woche.
24 Stunden am Tag.

Du kannst ohne Termin (Rendez-Vous) kommen.
Alles ist gratis.

Die Adresse vom Zentrum:
3A Val Ste Croix
L-1371 Luxemburg
Tram oder Bus: Haltestelle Stäreplaz

Du kannst anrufen: 00 352 27 55 53 15
Du kannst eine Email schreiben: info.cnvv@croix-rouge.lu

infoMann: Öffnungs-Zeiten und Kontakt

  • Montag von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr
  • Dienstag von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr
  • Mittwoch von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr
  • Donnerstag von 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr
  • Freitag von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Beratung mit Termin (Rendez-Vous).
Alles ist gratis.

Die Adresse:
39 rue de Bouillon
L-1248 Luxemburg
Bus: Haltestelle Hollerich Kierfecht

Du kannst anrufen: 00 352 27 49 65
Du kannst eine Email schreiben: info@infomann.lu

Quellen

Das heißt: Von dort kommen die Infos.

  1. Gewalt und Gewaltschutz in Einrichtungen der Behindertenhilfe, BMBFSFJ
  2. Sexuelle Belästigung, Gewalt und Gewaltschutz in Werkstätten für behinderte Menschen, BMBFSFJ
  3. Interview mit der Direktorin des CNVV, Frau Berrend
  4. Interview mit dem Direktor von infoMann, Herrn Megharbi
Titelseite des Bulletins N°6 „Gefühls- und Sexualleben“: Eine Braut im rosa Rüschenkleid legt den Arm um ihren Bräutigam im Rollstuhl, der ein buntes Blumen-Sakko trägt.

Mehr im Bulletin N°6

Dieser Artikel stammt aus dem Bulletin „Gefühls- und Sexualleben“ von Info-Handicap.
Darin geht es auch um sexuelle Bildung, sexuelle Gesundheit, Elternschaft und inklusive Begegnungen.